STÜCKWERK BERLIN – STÜCKWERK EUROPA
Ein Detailbild des Teppichs

oben: Rückseite der Rückseite des Rattenplakats, die einzige nicht einsehbare Stelle des Teppichs.
unten: alle Namen, die am Teppich mitgenäht haben
Beschriftung oder das Nettoloch

Die Gestaltung der Vorder- und Rückseite unseres Plakates haben Architekten erarbeitet.
Da die Ratte das Plakat schräg hält, galt es, die perspektivische Verzerrung in der Schrift aufzunehmen. Die Schrifttype für das Museumskürzel ist angelehnt an den offiziellen Briefkopf des Auftraggebers. Ein Papier wurde unter den Stoff gelegt und die Umrisse des Plakats abgezeichnet und eingescannt. Da ein Hase vor dem Plakat steht, war klar, dass links von ihm das Datum und rechts der leicht verzerrte Buchstabenwürfel einpasst wird. Etwas schwieriger war die Gestaltung der Rückseite. Um die Schrift nicht noch kleiner machen zu müssen, beschlossen wir, das ganze Feld zu nutzen. Von dieser Seite aus betrachtet, steht der Hase hinter dem Plakat – an dieser einzigen Stelle hat der Teppich zwei unterschiedlich gestaltete Stofflagen. Wieder nutzten wir die eingescannte Schablone. Zum Glück fiel uns noch ein, dass sie diesmal gespiegelt werden musste. (Man stelle sich vor: Alle Namen gestickt und dann stellt man erst fest, dass die Ratte das Plakat in die andere Richtung schwenkt.) Alle Namen wurden aufgeschrieben und möglichst so verteilt, dass die Zeilen gleich lang sind. Die Schriftgröße wurde festgelegt. Doch in welcher Schriftart sollte gestickt werden? Der versierten Stickerin stehen unendlich viele Schriftarten zur Verfügung, wie man an der Sammlung von Stickmustertüchern ablesen kann. Doch Kreuzstich erschien uns für den modernen Teppich zu altbacken und wir entschieden uns für ein modernes Design: gestickte SMS. Alle Namen sind in der relativ kleinen Schrift deutlich lesbar und wurden durch einen Knötchenstich voneinander abgegrenzt. Die Buchstaben können frei gestickt werden, denn sie sind quadratisch aufgebaut. Auf der Rückseite des Tuchs zeichnete die Architektin ein genaues Raster der Buchstabenfelder ein. Unterdessen versuchte ich die richtige Schreibweise der Namen herauszukriegen. Aufgeregte Anrufe gingen hin und her. Die vollständige und korrekte Liste war bei der Stickerin, alle Motive waren fertig, der Teppich musste nur noch zusammengenäht, die noch verbliebene Lücke im unteren Teil mit der Beschriftung gefüllt werden. Dann der Anruf: „Frau Arndt, könnten Sie noch einmal das Loch ausmessen, wo die Namen hineinkommen? Ich glaube, ich habe mich vermessen und musste noch eine Zeile hinzufügen.“ „Das Plakat hat einen Rahmen...“ „Ich brauche nur das Maß vom Nettoloch.“ Ängstlich gab ich ihr die Zahlen durch. „Ist der Platz ausreichend?“ Ich hörte einen Glücksseufzer und fragte die Fachkraft der exakten Berechnung: „Nettoloch – ist das ein Fachausdruck?“ „Nee, aber Sie haben mich doch verstanden.“
Stimmt, es ging um die letzte Lücke, um das Innenmaß des fehlenden und wichtigsten Stücks von „Stückwerk Berlin – Stückwerk Europa“.

Möge die Vielzahl der Namen andere animieren sich zusammenzutun, die Serie der Tuchintarsien zukünftig fortzusetzen. Stück um Stück, gemeinsam.

Warum stehen die Namen auf der Rückseite? Weil die sorgfältige Arbeit zwischen den Stoffkanten gerade auf der Rückseite des Teppichs am deutlichsten wird, man sieht von der Arbeit nichts.

Weitere Motive des Teppichs: