STÜCKWERK BERLIN – STÜCKWERK EUROPA
Ein Detailbild des Teppichs

Vorbildlich und schön

Ende November kam eine Frau ins „offene Atelier“ mit dem Ansinnen, das Graffitto von Audrey Hepburn umzusetzen und brachte ein mehrfarbiges Bild mit. Zu diesem Zeitpunkt war nur noch eine Randposition für die „schönste Frau aller Zeiten“ (laut Leserwahl des Magazins „New Woman“ 2006) übrig. Dies missfiel der Verehrerin sehr und so schlug ich vor, stattdessen ein Graffitto aus Bergen zu benutzen, das die hochhalsige Schauspielerin im Profil zeigt.

„Wegen Audrey Hepburn wollte ich ins Kloster gehen!“, sagte eine Frau und viele Fast-Novizinnen stimmten zu.
„Wegen Audrey Hepburn bin ich in eine Klinik gegangen. Ich wollte so werden wie sie. Wochenlang trampelte ich die Treppen hinunter, um endlich wie sie die Stufen elegant herunterschweben zu können. Ich trug ihre Frisur, besorgte mir eine zu große Brille und zog auch im Winter Ballerinas an. Aber ich sah immer schwerfällig aus. Zuerst habe ich weniger gegessen, dann gar nichts mehr und schließlich viel und alles wieder ausgekotzt. Irgendwann schlackerten mir die 7/8-Hosen um die Beine und ich kam in eine Klinik. Dort habe ich wieder angefangen essen zu lernen.“ „Essen lernen? Wie lang hat das gedauert?“
„Sieben Jahre.“ „Sind Sie Audrey Hepburn böse?“
„Nee, ich weiß nicht, ob sie ihre Bulimie auskuriert hat. Ich finde, sie ist eine bewundernswürdige Frau, vor allem wegen ihrem jahrzehntelangen Engagement als Unicef-Botschafterin. Sie hat sich stark gemacht für die hungernden Kinder – unabhängig davon hat sie eine Hungerepidemie bei vielen Mädchen in der westlichen Welt ausgelöst. Aber die Treppe komm' ich dank ihr immer noch elegant runter!“
„Mach' mal vor.“
Wir gingen ins Treppenhaus, sie stellte sich auf den ersten Absatz, legte grazil ihre Hand aufs Geländer, schwenkte mit leichter Hüftdrehung zur Treppe, trippelte leicht die Stufen hinunter, hielt kurz inne, übersprang antilopengleich die letzten drei Stufen und kam leicht wie ein Schmetterling auf – wobei ihre schweren Brüste nachwippten.
Wir lachten.

Die Vorlage zu dem Graffitto schuf der Fotograf Yousuf Karsh, über den der Journalist George Perry in der Londoner „Sunday Times“ schrieb: “Wenn die Berühmten anfangen, über ihre Unsterblichkeit nachzudenken, wenden sie sich an Yousuf Karsh.”
Ein Meister der fotografischen Einbalsamierung.
Er hat u.a. auch Wittgenstein fotografiert.

Weitere Motive des Teppichs: