STÜCKWERK BERLIN – STÜCKWERK EUROPA
Ein Detailbild des Teppichs

Treffsicher

Hätte sich dieser Junge zum Nähen gemeldet, so hätte ich mich gefreut, denn ich war von seinem konzentrierten zielsicheren Blick sehr begeistert. Denn aller Anfang einer Näharbeit ist das Einfädeln. Man sollte lange (es gilt zwei Stofflagen zu durchstechen) und dünne Nadeln (um den Stoff am wenigsten zu schädigen) benutzen, d.h. das Nadelöhr ist sehr fein.
Amüsiert beobachtete ich einen Mitarbeiter beim Einfädeln, der sich mit folgenden Worten vorstellte: „Ich bin Elektroingenieur und interessiere mich für Textilkunst.“ Er nahm das Fadenende zwischen Daumen und Zeigefinger und versuchte das Nadelöhr raufzustellen. Ich fragte mich, ob der Winkel dieser alltäglichen Handhabung egal ist.
Es ist einfacher, das kurze (!) Fadenende, welches man mit Spucke ein wenig feucht und standhaft gemacht hat, durch ein Nadelöhr zu stecken, weil man die kleine Öffnung besser sehen kann.


In diesem Zusammenhang sei erwähnt, warum es die merkwürdige Hinweise für die Teilnehmerinnen gab:
„Bitte bringen Sie Ihre Brille oder Einfädelhilfe mit und benutzen Sie keinen Lippenstift.“
Denn beim Anfeuchten des Fadens bleibt der Lippenstift am Faden kleben und man sieht die Lippenstiftreste auf der Näharbeit.

Von Anfang an stand fest, die Motive möglichst dicht zu platzieren, doch der Junge mit der Steinschleuder kann zwar zielen, aber nicht
schießen, da er seinen Arm nicht bewegen kann.
Um seine Treffsicherheit zu verdeutlichen, bekam er mehr Armfreiheit.

Fotovorlage für diesen Jungen stammt aus dem
Buch: „Euskadi 1977 -87“ von Imanol G. Saez.

Weitere Motive des Teppichs: